Ein Primärnest (auch Gründungsnest oder Embryonalnest genannt) ist das erste Nest, das eine überwinterte Königin der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) im Frühjahr nach dem Verlassen ihres Winterquartiers errichtet. In diesem Nest legt die Königin ihre ersten Eier ab, zieht die ersten Larven auf und versorgt die daraus schlüpfenden Arbeiterinnen zunächst allein.
Primärnester entstehen meist zwischen März und Juni und sind zunächst nur wenige Zentimeter groß. Im Verlauf des Frühjahrs wachsen sie auf etwa Handball- bis Fußballgröße an. Sobald genügend Arbeiterinnen vorhanden sind, beginnt das Volk häufig ab Juni oder Juli mit dem Bau eines größeren Sekundärnestes, in das die Kolonie später umzieht. Das Primärnest wird anschließend meist aufgegeben.
Typische Merkmale eines Primärnestes
- kugelige bis leicht ovale Nestform
- papierartige Nesthülle aus zerkauten Holzfasern
- meist nur wenige Zentimeter bis etwa 20 cm Durchmesser
- zunächst ausschließlich von der Königin bewohnt
- später zusätzlich erste Arbeiterinnen
- häufig an geschützten und wärmebegünstigten Standorten errichtet
Wo sind Gründungsnester zu finden?
Im Gegensatz zu den späteren Sekundärnestern in Baumkronen werden Primärnester bevorzugt an geschützten Stellen in Gebäuden oder im unmittelbaren Wohnumfeld angelegt. Beobachtungen aus Deutschland und Nordrhein-Westfalen zeigen besonders häufig folgende Standorte:
- Garagen
- Carports
- Dachvorsprünge
- Balkone
- Gartenhäuser
- Geräteschuppen
- Rollladenkästen
- Vogel-Nistkästen
- Hecken und Sträucher
- Terrassenüberdachungen
- Sitzkissentruhen
- Kugelgrills
- Unterstände und Lagerräume
- vereinzelt auch bodennah in Sträuchern oder geschützten Ecken von Grundstücken
Viele Primärnester befinden sich in einer Höhe zwischen einem und drei Metern und sind daher vergleichsweise leicht zu entdecken und zu erreichen.
Bedeutung für die Bekämpfung
Die frühzeitige Entdeckung eines Primärnestes ist von großer Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt besteht das Volk meist nur aus der Königin und wenigen Arbeiterinnen. Die Entfernung durch einen Imker, Wespen- oder Hornissenberater oder Schädlingsbekämpfer ist daher deutlich einfacher, sicherer und kostengünstiger als bei späteren Sekundärnestern, die mehrere Tausend Hornissen beherbergen können. Fachleute empfehlen deshalb insbesondere im Mai und Juni die regelmäßige Kontrolle von Gebäuden, Nebengebäuden und geschützten Bereichen auf dem Grundstück.