Die Entdeckung blieb jedoch nicht folgenlos. Als Melanie Gazza versuchte, mit ihrem Smartphone ein Foto des Nestes in Voerde anzufertigen, reagierte mindestens eine der Hornissen unmittelbar auf die Bewegung im Nahbereich des Nestes. Es kam zu einem Stich in die Hand, der sofort starke Schmerzen verursachte. Die anschließende Schwellung konnte zunächst durch Kühlung behandelt werden.

Die eigentliche Überraschung folgte jedoch erst etwa vierundzwanzig Stunden später. Am Ringfinger der betroffenen Hand traten deutliche Verfärbungen auf, die schließlich mit einem cortisonhaltigen Präparat behandelt werden mussten.
Der Vorfall in Voerde, Kreis Wesel, zeigt, dass die Asiatische Hornisse insbesondere im unmittelbaren Nestbereich auch schon im frühen Stadium kleiner bis mittelgroßer Primärnester durchaus verteidigungsbereit reagieren kann. Während einzelne Tiere bei der Nahrungssuche meist wenig Interesse am Menschen zeigen, werden Störungen im direkten Umfeld eines Nestes häufig als Bedrohung wahrgenommen. Insbesondere schnelle Bewegungen, Erschütterungen oder Annäherungen auf kurze Distanz können Abwehrreaktionen auslösen.

Melanie Gazza hatte dabei noch Glück im Unglück. Das Volk befand sich noch in einem vergleichsweise frühen Entwicklungsstadium. Wäre das Nest erst sechs Wochen später entdeckt worden, hätte es voraussichtlich die Größe eines Fußballs erreicht und deutlich mehr Arbeiterinnen beherbergt. Mit zunehmender Volksstärke wächst auch das Verteidigungspotenzial eines Nestes, welches auf dem Höhepunkt der Entwicklung mehrere Tausend Hornissen beherbergen kann.
Weit voran geschrittene Entwicklung des Nestes in Voerde
Nach der fachgerechten Abtötung des Hornissennestes wurde die äußere papierartige Schutzhülle entfernt, um die innere Struktur zu dokumentieren. Dabei zeigte sich, wie weit die Entwicklung des Volkes bereits fortgeschritten war.

Das Primärnest in Voerde enthielt zwei übereinander angelegte Brutwaben mit zahlreichen verdeckelten Brutzellen sowie ein im Entstehen begriffener Ansatz einer dritte Brutwabe. Der überwiegende Teil der Brut befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Nach fachlicher Einschätzung wären aus den vorhandenen verdeckelten Brutzellen innerhalb der nächsten Tage und Wochen etwa 100 weitere Arbeiterinnen geschlüpft.
Die Dokumentation dieses Nestes der Asiatischen Hornisse in Voerde verdeutlicht eindrucksvoll, wie schnell sich ein zunächst unscheinbares Primärnest zu einem leistungsfähigen Hornissenvolk entwickeln kann. Gerade deshalb ist es wichtig, Primärnester der Asiatischen Hornisse – nicht nur in Voerde – frühzeitig zu erkennen und fachkundig entfernen zu lassen.
Fundort: Voerde (Kreis Wesel, Nordrhein-Westfalen)
Nesttyp: Primärnest
Nestgröße: etwa handballgroß
Besonderheit: Zwei weitgehend verdeckelte Brutwaben mit erheblichem Entwicklungspotenzial
Bedeutung: Beispiel für die schnelle Entwicklung eines zunächst kleinen Primärnestes zu einem deutlich größeren und verteidigungsstärkeren Volk