2023: Erster amtlich bestätigter Nachweis in Bonn
Der früheste derzeit dokumentierte und fachlich bestätigte Nachweis in Bonn stammt vom 28. September 2023. Im Stadtteil Friesdorf wurden Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse dabei beobachtet, wie sie auf einem Teller Katzenfutter aufnahmen und Futter abtransportierten. Ein Nest konnte bei dieser Beobachtung nicht gefunden werden.
Nachweis und Dokumentation anzeigen
Friesdorf
Ort: Friesdorf
Auf einem Teller mit Katzenfutter tauchten Arbeiterinnen der Asiatischen Hornissen und transportierten Futter ab. Ein Nest konnte nicht gefunden werden.

Dokumentation: Fotografisch dokumentierte Sichtung der Asiatischen Hornisse am Friesdorfer Hof in Bonn · Portal Vespa velutina
Ihr Ansprechpartner vor Ort
Klaus Maresch
Imker · Wespen- und Hornissenberater · Fachkunde Asiatische Hornisse
Bonn und die Asiatische Hornisse im Überblick
Bonn und seine Nachbarregionen

Die Bundestadt Bonn ist fast komplett umgeben vom Rhein-Sieg-Kreis und grenzt im Süden an den Kreis Ahrweiler.
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) hat sich in Deutschland und damit auch in Nordrhein-Westfalen etabliert, weshalb eine Umstufung der Asiatischen Hornisse erfolgt ist. Ihre schnelle Verbreitung im Großraum Bonn/Rhein-Sieg konnte, trotz der immensen Anstrengungen der Naturschutzverwaltung weder in Nordrhein-Westfalen noch in den benachbarten Bundesländern wie Rheinland-Pfalz oder den Anrainerstaaten Frankreich und den Benelux-Staaten verhindert werden, sodass sie am 24. März 2025 bundesweit als „weit verbreitet“ (Art. 19 der EU-VO Invasive Arten) eingestuft wurde.
Die Asiatische Hornisse gilt damit in ganz Deutschland und somit auch in der Bundesstadt Bonn als etabliert und unterliegt zukünftig den Regularien des Managements und nicht mehr denen der umfangreichen Früherkennung, die mit einer sofortigen Beseitigungspflicht der Nester der Asiatischen Hornisse einherging. Aufgrund der Umstufung der asiatischen Hornisse stellt die Landesnaturschutzverwaltung in Nordrhein-Westfalen die Beseitigung von Nestern der Asiatischen Hornisse mit Landesmitteln, für zum Beispiel die Initial- und Primärnester, ab dem 1. August 2025 ein.
Die Naturschutzverwaltung von Nordrhein-Westfalen hatte bislang die Bekämpfung der Art, in Form der Beseitigung der Nester fortgeführt. Damit wollte man einerseits die Initial- und Primärnester mit neuen Königinnen noch bekämpfen und die Gelegenheit geben, die durch die Naturschutzverwaltung aufgebauten digitalen Meldestrukturen zur Verfügung zu stellen. So können Nester der Asiatischen Hornisse in Bonn auch über den Button Nest melden des Portals Vespa velutina gemeldet werden.
Gewässer, Grünzüge und mögliche Ausbreitungsräume in Bonn
Bonn wird in besonderer Weise durch den Rhein und die angrenzenden Flusslandschaften geprägt. Im Norden des Stadtgebietes kommt mit der Siegmündung ein weiterer bedeutender Gewässer- und Auenraum hinzu. Gleichzeitig liegt Bonn am Übergang zwischen der Niederrheinischen Bucht und den Mittelgebirgslandschaften. Zu den prägenden Landschaftselementen gehören neben den Flusstälern von Rhein und Sieg auch die Waldgebiete von Kottenforst und Ennert sowie Feuchtwiesen und andere strukturreiche Lebensräume. Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft hebt diese landschaftliche Vielfalt als eine Besonderheit des Bonner Raumes hervor.
Neben dem Rhein durchziehen mehrere kleinere Fließgewässer und Bachtäler das Stadtgebiet. Dazu gehören unter anderem der Godesberger Bach, der Mehlemer Bach und der Vilicher Bach. Teile ihrer Auen und Überschwemmungsbereiche werden auch in den wasserwirtschaftlichen Unterlagen der Bezirksregierung Köln erfasst. Für den Godesberger Bach, den Mehlemer Bach und den Vilicher Bach liegen entsprechende behördliche Informationen vor.
Fließgewässer, Bachränder, Auen, Hecken, Waldränder und zusammenhängende Grünflächen bilden keine voneinander getrennten Lebensräume. Sie sind Teil eines Netzes aus Vegetation, Wasser, Siedlungsflächen und Verkehrswegen. Das Land Nordrhein-Westfalen misst solchen ökologischen Verbindungen im Rahmen des Biotopverbundes eine wichtige Bedeutung für heimische Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume bei. Ergänzt werden diese Strukturen in Bonn durch zahlreiche öffentliche Park- und Grünanlagen, die von der Stadt auch in ihrem Open-Data-Angebot erfasst werden.
Für die Asiatische Hornisse können wassernahe Gehölze, Waldränder, Gärten, Parkanlagen und andere insektenreiche Grünstrukturen geeignete Jagd- und Aufenthaltsräume bieten. Auch Bäume und dichtes Gehölz kommen grundsätzlich als Neststandorte infrage. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass Rhein, Sieg oder einzelne Bonner Bäche bereits als bestätigte Ausbreitungsrouten der Asiatischen Hornisse anzusehen sind. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen vielmehr, dass die Ausbreitung von Vespa velutina durch ein Zusammenspiel aus Eigenverbreitung, klimatischen Bedingungen, Landschaftsstrukturen und unbeabsichtigtem Transport beeinflusst werden kann. Studie zur Ausbreitung von Vespa velutina
Besondere Aufmerksamkeit ist deshalb überall dort sinnvoll, wo Gewässerränder, Grünzüge, Gärten und Siedlungsbereiche eng miteinander verbunden sind. Einzelne fliegende Hornissen erlauben noch keinen sicheren Rückschluss auf den Standort eines Nestes. Wiederholte Beobachtungen, auffälliger Flugverkehr oder ein sichtbares Nest sollten möglichst aus sicherer Entfernung dokumentiert und über den Meldeweg des Portals weitergegeben werden.
Naturschutz und sensible Lebensräume in Bonn
Bonn besitzt trotz seiner dichten Besiedlung eine ungewöhnlich große Vielfalt an geschützten und ökologisch wertvollen Lebensräumen. Nach Angaben der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft gibt es im Stadtgebiet derzeit elf Naturschutzgebiete. Die Bandbreite reicht von Flussauen und Feuchtwiesen über Buchen- und Eichenwälder bis zu Trockenrasen, Felsen, Stillgewässern und einer Binnendüne. Vier Gebiete sind außerdem Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Siegmündung und Siegaue
Das Naturschutzgebiet Siegmündung schützt den Bonner Teil des europäischen Schutzgebietes „Siegaue und Siegmündung“. Die offene Flussauenlandschaft umfasst Grünland, Gebüsche, Röhrichte, Reste von Auwald, Altarme und Kiesbänke. Besonders charakteristisch sind die alten Kopfweiden. Ihre Höhlen, Rindenstrukturen und morschen Holzbereiche bieten zahlreichen Insekten sowie Fledermäusen und Vögeln Lebensraum.
Durch den Wechsel zwischen Wasserflächen, offenen Wiesen, Gehölzen und Auwaldresten gehört die Siegmündung zu den struktur- und insektenreichen Landschaftsräumen Bonns. Beobachtungen gebietsfremder Arten sollten hier besonders sorgfältig dokumentiert werden, ohne aus einer einzelnen Sichtung bereits eine Beeinträchtigung des Schutzgebietes abzuleiten.
Ennert und Siebengebirge
Der Ennert bildet den nördlichsten Teil des Siebengebirges und liegt auf Bonner Stadtgebiet. Auf vergleichsweise kleiner Fläche befinden sich unterschiedliche Waldgesellschaften, naturnahe Bachtäler, Stillgewässer, Magerwiesen, Halbtrockenrasen, Felsen und Blockhalden. Diese Vielfalt macht den Ennert zu einem bedeutenden Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Für die Beobachtung der Asiatischen Hornisse sind vor allem Waldränder, Lichtungen, Gewässerbereiche und die Übergänge zwischen Wald und Siedlung interessant. In hohen Bäumen errichtete Sekundärnester können während der Vegetationsperiode durch dichtes Laub schwer zu erkennen sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass im Ennert bereits eine besondere Nestdichte oder eine konkrete Schädigung geschützter Arten nachgewiesen wurde.
Rodderberg
Der an der südlichen Stadtgrenze gelegene Rodderberg ist ein ehemaliger Vulkan und bereits seit 1927 geschützt. Trocken- und Halbtrockenrasen, Felsbereiche und andere wärmegeprägte Biotope bieten seltenen Pflanzen und Insekten einen Lebensraum. Die Biologische Station nennt dort mehr als 40 Arten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens.
Gerade in arten- und insektenreichen Lebensräumen ist ein aufmerksamer Umgang mit neuen invasiven Arten sinnvoll. Eine Beobachtung der Asiatischen Hornisse wäre zunächst als Fund zu dokumentieren und fachlich zu prüfen. Sie wäre für sich allein noch kein Nachweis einer nachteiligen Wirkung auf die Tierwelt des Rodderbergs.
Feuchtwiesen bei Beuel und Kohlkaul
Die letzten Relikte der früher ausgedehnteren Feuchtwiesen bei Beuel werden durch mehrere Naturschutzgebiete gesichert. Dazu gehören Weiers Wiesen, Nasswiesen und Bruchwald Kohlkaul sowie feuchte Grünlandbrachen und Mähweiden bei Kohlkaul. Pfeifengraswiesen, Kleinseggenwiesen, Quellsümpfe und Erlen-Eschenwälder bieten bedrohten Pflanzen, Libellen und anderen Insekten geeignete Lebensräume.
Die Pflege dieser Flächen erfolgt teilweise durch eine mit dem Naturschutz abgestimmte landwirtschaftliche Nutzung. Bei Mäharbeiten, Gehölzpflege oder anderen Arbeiten im Randbereich sollte auf auffälligen Flugverkehr und mögliche Nester geachtet werden. Ein Nest darf nicht eigenständig geöffnet, erschüttert oder behandelt werden.
Kottenforst
Der westlich von Bonn gelegene Kottenforst gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten der Region. Naturnahe Altholzbestände, Waldtümpel, Gräben und strukturreiche Waldränder schaffen unterschiedliche Lebensräume. Gemeinsam mit der Waldville ist der Kottenforst zudem als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Große Bäume können grundsätzlich als Standort für Sekundärnester der Asiatischen Hornisse dienen. Wegen der Höhe und der Belaubung bleiben solche Nester mitunter lange unbemerkt. Bei Forst-, Baum- und Wegearbeiten sollte deshalb auf starken, wiederkehrenden Hornissenflug geachtet werden. Auch hier gilt: Einzelne jagende Tiere erlauben noch keinen zuverlässigen Rückschluss auf einen Neststandort.
Bedeutung für die Beobachtung der Asiatischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse jagt Honigbienen, Fliegen, Wespen und zahlreiche weitere Insekten. Schutzgebiete und andere insektenreiche Lebensräume verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Bislang darf jedoch nicht pauschal behauptet werden, dass die Asiatische Hornisse in einem bestimmten Bonner Schutzgebiet bereits nachweisbare Schäden verursacht.
Entscheidend sind nachvollziehbare Beobachtungen und fachlich geprüfte Meldungen. Fotos einzelner Tiere, wiederkehrende Flugrichtungen oder Aufnahmen eines Nestes können helfen, einen Fund richtig einzuordnen. Schutzgebiete sollten dabei nicht abseits erlaubter Wege betreten und Tiere oder Nester nicht gestört werden.
Landwirtschaft, Streuobst und Gartenbau in Bonn
Obwohl Bonn stark städtisch geprägt ist, gehören landwirtschaftlich genutzte Flächen, Grünland, Obstwiesen, Gärten und weitere bewirtschaftete Grünflächen weiterhin zum Stadtgebiet. Die Stadt Bonn erfasst diese unterschiedlichen Nutzungsformen in ihrer Realnutzungskartierung. Sie beruht unter anderem auf aktuellen Luftbildern, Daten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und ergänzenden örtlichen Erhebungen.
Landwirtschaft und Naturschutz
Landwirtschaftliche Betriebe und Flächeneigentümer tragen auch in Bonn zur Pflege und zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft arbeitet im Rahmen des Vertragsnaturschutzes mit Landwirten und Eigentümern zusammen, um Lebensräume in der Agrarlandschaft durch freiwillige Bewirtschaftungsmaßnahmen zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Für diese Flächen ist die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse vor allem aus praktischer Sicht relevant. Nester können sich unbemerkt in Hecken, Gehölzen, Baumkronen, an landwirtschaftlichen Gebäuden oder in anderen geschützten Bereichen entwickeln. Bei Pflege-, Schnitt- oder Erntearbeiten kann es deshalb zu einer unbeabsichtigten Annäherung an ein Nest kommen.
Streuobstwiesen und regionaler Obstanbau
Streuobstwiesen besitzen in Bonn und im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis beziehungsweise Rhein-Erft-Kreis eine besondere Bedeutung für Landschaftsbild, Artenvielfalt und regionale Lebensmittel. Für ihren Erhalt sind eine kontinuierliche Pflege der Obstbäume und eine regelmäßige Nutzung des Grünlandes erforderlich. Projekte der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft unterstützen deshalb die Sicherung und Weiterentwicklung der regionalen Streuobstbestände.
Der professionelle Obstanbau ist insbesondere in der benachbarten Gemeinde Wachtberg und weiteren Teilen des Rheinlands von wirtschaftlicher Bedeutung. Auch deshalb sollte die Entwicklung der Asiatischen Hornisse in Bonn nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den angrenzenden Obstbauregionen betrachtet werden.
Mögliche Schäden an reifen Früchten
Erwachsene Asiatische Hornissen benötigen zuckerhaltige Nahrung. Sie nutzen unter anderem Baumsäfte, Nektar und reife oder bereits beschädigte Früchte. Untersuchungen aus stark betroffenen Gebieten Westeuropas zeigen, dass die Tiere dort auch an Weintrauben, Birnen und Äpfeln beobachtet wurden und vorhandene Fruchtschäden vergrößern können.
Diese Erkenntnisse stammen überwiegend aus Regionen mit bereits sehr hohen Bestandsdichten, insbesondere von der Iberischen Halbinsel. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass vergleichbare wirtschaftliche Schäden gegenwärtig bereits in Bonn auftreten. Lokale Beobachtungen sollten deshalb dokumentiert werden, ohne daraus voreilige allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen.
Hinweise für Gartenbau und Landschaftspflege
Beschäftigte in Landwirtschaft, Gartenbau und Landschaftspflege können einem Nest besonders bei Arbeiten an Hecken, Bäumen, Fassaden oder wenig einsehbaren Gebäudeteilen nahekommen. Auffälliger Flugverkehr mehrerer Hornissen, die wiederholt dieselbe Stelle anfliegen, kann ein Hinweis auf einen Nesteingang sein.
In diesem Fall sollten die Arbeiten unterbrochen, Abstand gehalten und der mögliche Neststandort über das Portal gemeldet werden. Eigenständige Öffnungs- oder Bekämpfungsversuche sind zu vermeiden. Eine einzelne jagende oder an einer Frucht fressende Hornisse ist dagegen noch kein sicherer Hinweis auf ein Nest in unmittelbarer Nähe.
Imkerei und Bienenvölker in Bonn
Die Imkerei ist in Bonn sowohl durch traditionsreiche Vereine als auch durch Forschung, Lehre und zahlreiche private Bienenhaltungen vertreten. Der Bonner Bienenzuchtverein 1867 e. V. betreibt in der Rheinaue einen Lehrbienenstand. Das anlässlich der Bundesgartenschau 1979 errichtete Bienenhaus dient der imkerlichen Ausbildung und der Information der Öffentlichkeit über Bienen und ihre Bedeutung für die Umwelt.
Daneben gehört der Imkerverein Bad Godesberg zu den im Stadtgebiet ansässigen Imkerorganisationen. Mehrere Bonner und linksrheinische Vereine sind im Kreisimkerverband Bonn zusammengeschlossen. Der Verband unterstützt den fachlichen Austausch und die Zusammenarbeit bei Fragen der Bienenhaltung, Bienengesundheit sowie des Natur- und Umweltschutzes.
Forschung und Lehre an der Universität Bonn
Eine weitere Besonderheit ist die Imkerei der Universität Bonn. Nach Angaben der Universität werden dort etwa 150 Honigbienenvölker gehalten. Sie dienen unter anderem der Forschung und Lehre zu Bestäubungsökologie, Pflanzenbau und weiteren landwirtschaftlichen Fragestellungen.
Bonn verfügt damit über eine vielfältige imkerliche Struktur: Neben kleineren privaten Bienenständen gibt es Vereinsarbeit, Schulungsangebote und eine wissenschaftlich ausgerichtete Bienenhaltung. Diese Verteilung der Bienenvölker über das Stadtgebiet macht eine frühzeitige und möglichst genaue Beobachtung der Asiatischen Hornisse besonders wichtig.
Jagd an Bienenständen
Die Asiatische Hornisse jagt unterschiedliche Insekten. Honigbienen können insbesondere dort zu einer gut erreichbaren Beute werden, wo viele Sammlerinnen regelmäßig an einem Flugloch ein- und ausfliegen. Einzelne jagende Hornissen vor einem Bienenstand bedeuten jedoch nicht automatisch, dass ein Bienenvolk unmittelbar gefährdet ist oder sich das zugehörige Nest in direkter Nähe befindet.
Entscheidend sind die Häufigkeit und Dauer der Beobachtungen. Wiederholte Jagdflüge mehrerer Asiatischer Hornissen können zu anhaltendem Druck auf ein Bienenvolk führen. Aus stark besiedelten Regionen Europas ist bekannt, dass Bienen bei intensivem Jagddruck ihre Flugaktivität einschränken können. Wie stark einzelne Bonner Bienenstände betroffen sind, muss jeweils anhand konkreter Beobachtungen beurteilt werden.
Für Bonn werden deshalb keine pauschalen Aussagen über bereits eingetretene Schäden an bestimmten Imkereien oder Bienenvölkern getroffen. Solche Aussagen setzen dokumentierte und fachlich überprüfbare Beobachtungen voraus.
Beobachtungen systematisch dokumentieren
Imkerinnen und Imker können einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung und zur Beobachtung der weiteren Entwicklung leisten. Auffällige Hornissen sollten möglichst fotografiert und sicher von der heimischen Europäischen Hornisse unterschieden werden.
Für eine Meldung sind besonders hilfreich:
- Datum und Uhrzeit der Beobachtung,
- genauer Standort des Bienenstandes,
- Fotos oder kurze Videoaufnahmen,
- Anzahl der beobachteten Hornissen,
- Häufigkeit und Dauer der Jagdflüge,
- erkennbare Flugrichtung abfliegender Tiere,
- auffällige Veränderungen im Verhalten der Bienenvölker.
Eine wiederholt beobachtete Flugrichtung kann bei der späteren fachlichen Suche nach einem Nest hilfreich sein. Imker sollten den Hornissen jedoch nicht eigenständig in unübersichtliches Gelände folgen und keine ungesicherten Fang-, Markierungs- oder Bekämpfungsversuche durchführen.
Frühe Meldungen helfen auch anderen Bienenständen
Eine frühzeitige Meldung ermöglicht es, Beobachtungen verschiedener Standorte zusammenzuführen. Dadurch kann besser eingeschätzt werden, ob lediglich einzelne jagende Tiere auftreten oder ob sich Hinweise auf ein Nest in der Umgebung verdichten.
Das ist insbesondere in einem dicht besiedelten Stadtgebiet wichtig. Der Flugraum einer Asiatischen Hornisse endet nicht an Stadtbezirks- oder Gemeindegrenzen. Beobachtungen aus Bonn können deshalb auch für Imkerinnen und Imker im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Ahrweiler von Bedeutung sein.
Verdächtige Tiere oder mögliche Nester können über das Portal gemeldet werden. Die Angaben werden regional zugeordnet und an einen geeigneten Ansprechpartner weitergeleitet. Eine Meldung über das Portal ersetzt nicht die vereinsinterne Zusammenarbeit, kann aber Beobachtungen aus Imkerei, Bevölkerung und fachlicher Beratung an einer Stelle zusammenführen.
Besondere Aufmerksamkeit bei Arbeiten im Freien
Bonn besitzt zahlreiche Straßenbäume, Parkanlagen, private Gärten, bewaldete Hänge und dicht bewachsene Grundstücke. Das städtische Baumkataster verzeichnet mehr als 60.000 Bäume im öffentlichen Raum. Hinzu kommen Bäume und Gehölze auf privaten, gewerblichen und sonstigen nicht städtischen Flächen.
Mit der weiteren Ausbreitung der Asiatischen Hornisse steigt deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass Nester bei Pflege-, Bau- oder Unterhaltungsarbeiten zufällig entdeckt werden. Betroffen sein können insbesondere Beschäftigte in der Baumpflege, im Garten- und Landschaftsbau, bei kommunalen Diensten, in der Forstwirtschaft sowie an Gebäuden und technischen Anlagen.
Wo Nester unbemerkt bleiben können
Primärnester entstehen im Frühjahr häufig an geschützten Stellen. Dazu können Dachüberstände, Schuppen, Garagen, Gartenhäuser, Rollladenkästen und andere wenig gestörte Gebäudebereiche gehören. Später im Jahr errichtete Sekundärnester befinden sich dagegen häufig in Baumkronen oder dichtem Gehölz. Sie können durch Blätter und Äste lange Zeit verdeckt bleiben.
Besondere Aufmerksamkeit ist daher unter anderem erforderlich bei:
- Baumkontrollen, Baumfällungen und Arbeiten in Baumkronen,
- Hecken- und Gehölzschnitt,
- Mäh- und Mulcharbeiten an Böschungen,
- Pflege von Parks, Friedhöfen, Sportanlagen und Straßenbegleitgrün,
- Arbeiten an Fassaden, Dächern und Dachüberständen,
- Gerüstbau und Nutzung von Hubarbeitsbühnen,
- Reinigung und Wartung wenig genutzter Gebäudeteile,
- Arbeiten an Gartenhäusern, Schuppen und sonstigen Nebengebäuden.
Warnzeichen vor Beginn der Arbeiten
Ein Nest ist nicht immer unmittelbar sichtbar. Wiederholter Flugverkehr mehrerer Hornissen zu derselben Stelle kann jedoch auf einen Nesteingang hindeuten. Auffällig kann beispielsweise sein, wenn Tiere regelmäßig in eine Baumkrone, eine Hecke, einen Dachbereich oder eine Öffnung an einem Gebäude ein- und ausfliegen.
Eine einzelne Asiatische Hornisse, die an Blüten, Fallobst oder anderen Nahrungsquellen beobachtet wird, ist dagegen noch kein sicherer Hinweis auf ein Nest in unmittelbarer Umgebung.
Vor intensiven Schnitt-, Fäll- oder Öffnungsarbeiten sollte der betreffende Bereich deshalb kurz aus sicherer Entfernung beobachtet werden. Das gilt besonders für schlecht einsehbare Baumkronen, dicht belaubte Hecken sowie Hohlräume und geschützte Bereiche an Gebäuden.
Verhalten bei einem möglichen Nest
Wird ein Nest entdeckt oder besteht ein begründeter Verdacht, sollten die Arbeiten sofort unterbrochen werden. Maschinen und Geräte dürfen nur abgeschaltet werden, wenn dies ohne weitere Annäherung und ohne zusätzliche Erschütterung des Nestbereichs möglich ist.
Anschließend gilt:
- Abstand halten und den unmittelbaren Gefahrenbereich verlassen,
- andere Personen vor dem Bereich warnen,
- Kinder, Passanten und Haustiere fernhalten,
- das Nest nicht berühren, öffnen oder erschüttern,
- keine Gegenstände nach dem Nest werfen,
- keine eigenständigen Bekämpfungsversuche unternehmen,
- Standort und Flugbereich möglichst aus sicherer Entfernung dokumentieren,
- den Fund über das Portal melden.
Bei Arbeiten auf öffentlichen oder betrieblichen Flächen sollte zusätzlich die verantwortliche Einsatzleitung beziehungsweise der zuständige Arbeitgeber informiert werden. Erforderliche Absperrungen und weitere Arbeitsschutzmaßnahmen müssen anhand der konkreten Situation festgelegt werden.
Erhöhtes Risiko durch Maschinen und Höhenarbeiten
Motorgeräte, Mähmaschinen, Freischneider, Motorsägen und Häcksler können starke Geräusche und Erschütterungen verursachen. Befindet sich ein Nest in der Nähe, können die Tiere auf die Störung reagieren. Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei Arbeiten auf Leitern, Gerüsten, Dächern oder Hubarbeitsbühnen, weil eine plötzliche Abwehrreaktion zusätzlich zu einem Sturz führen kann.
Ein entdecktes Nest sollte deshalb nicht während laufender Arbeiten spontan untersucht werden. Die weitere Beurteilung und gegebenenfalls erforderliche Bearbeitung gehören in die Hände entsprechend qualifizierter Personen.
Nach einem Stich
Nach einem Stich sollte der Gefahrenbereich zunächst verlassen werden. Bei Atemnot, Schwellungen im Mund- oder Halsbereich, Kreislaufproblemen, Bewusstseinsstörungen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ist sofort der Notruf 112 zu verständigen.
Mehrere Stiche sowie Stiche bei Kindern, älteren Menschen oder Personen mit bekannten Allergien sollten besonders ernst genommen werden. Der betreffende Neststandort sollte später aus sicherer Entfernung gemeldet werden, damit weitere Personen nicht unbeabsichtigt in denselben Gefahrenbereich geraten.
Zuständige Stellen und fachliche Einrichtungen in Bonn
ür Beobachtungen und Nester der Asiatischen Hornisse kommen in Bonn mehrere Stellen mit unterschiedlichen Aufgaben infrage. Nicht jede genannte Institution nimmt Meldungen entgegen, vermittelt eine Nestbearbeitung oder entscheidet über die Kosten einer Maßnahme.
Das Portal Vespa velutina dient als zentraler und bürgerorientierter Meldeweg. Die Angaben zum Fundort, zur Situation und zu möglichen Gefahren werden erfasst, regional zugeordnet und an einen geeigneten Netzwerkpartner beziehungsweise die zuständige Stelle weitergeleitet.
Untere Naturschutzbehörde der Bundesstadt Bonn
Die Untere Naturschutzbehörde ist bei der Bundesstadt Bonn im Amt für Umwelt und Stadtgrün angesiedelt. Sie nimmt im Stadtgebiet die örtlichen Aufgaben des Natur- und Artenschutzes wahr.
Seit der bundesweiten Einstufung der Asiatischen Hornisse als weit verbreitete invasive Art am 24. März 2025 besteht jedoch keine allgemeine Früherkennungs- und sofortige Tilgungspflicht mehr. Aus der Meldung eines Nestes ergibt sich deshalb nicht automatisch, dass die Stadt Bonn dessen Entfernung veranlasst oder finanziert.
Eine behördliche Abstimmung kann weiterhin erforderlich sein, beispielsweise:
- bei Nestern auf öffentlichen oder städtischen Flächen,
- bei möglichen Auswirkungen auf besonders geschützte Bereiche,
- bei naturschutzrechtlichen Fragen,
- wenn geschützte heimische Arten betroffen sein könnten,
- oder wenn eine besondere Gefahrenlage im öffentlichen Raum besteht.
Über die Notwendigkeit und Zuständigkeit einer Maßnahme wird anhand des jeweiligen Einzelfalls entschieden.
Landesamt und Neobiota-Portal Nordrhein-Westfalen
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen – kurz LANUK – stellt landesweite Fachinformationen zur Asiatischen Hornisse bereit. Funde und Sichtungen sollen nach den aktuellen Hinweisen weiterhin möglichst mit einem Bildbeleg im Neobiota-Portal Nordrhein-Westfalen dokumentiert werden.
Die landesweite Erfassung ist von der praktischen Bearbeitung eines Nestes zu unterscheiden. Ein Eintrag im Neobiota-Portal dokumentiert den Fund für das Monitoring, vermittelt aber nicht automatisch eine Person zur Beratung oder Nestentfernung.
Meldungen, die über das Portal Vespa velutina eingehen, können deshalb sowohl für die regionale Hilfe als auch für eine geordnete Dokumentation vorbereitet werden.
Biologische Station Bonn/Rhein-Erft
Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft berät Bürger und Behörden in Fragen des Natur- und Artenschutzes. Sie betreut Naturschutzprojekte, unterstützt den Erhalt der biologischen Vielfalt und bietet Veranstaltungen sowie Umweltbildungsangebote an.
Die Station ist eine wichtige fachliche Einrichtung für Bonn, aber keine allgemeine Einsatzvermittlung für die Entfernung von Hornissennestern. Sie sollte auf der Regionsseite deshalb als regionale Naturschutzinstitution dargestellt werden, nicht als automatisch zuständige Meldestelle oder Nestbearbeiterin.
Netzwerkpartner des Portals
Die praktische Einschätzung einer Meldung kann durch einen geeigneten Netzwerkpartner erfolgen. Je nach Situation und regionaler Verfügbarkeit kommen insbesondere infrage:
- erfahrene Imkerinnen und Imker,
- qualifizierte Wespen- und Hornissenberater,
- fachkundige Personen für die Bestimmung und Lokalisierung,
- zertifizierte Schädlingsbekämpfer,
- oder andere entsprechend qualifizierte Fachpersonen.
Der jeweils zuständige Netzwerkpartner wird nicht als statischer Text in diesem Abschnitt eingetragen. Er wird separat aus Velutina Core ausgegeben, damit Zuständigkeiten, Einsatzgebiete und Kontaktdaten zentral gepflegt und bei Änderungen automatisch aktualisiert werden können.
Bei unmittelbarer Gefahr
Die üblichen Melde- und Beratungswege sind nicht für akute medizinische Notfälle bestimmt. Kommt es nach Stichen zu Atemnot, Kreislaufproblemen, Schwellungen im Mund- oder Halsbereich oder Bewusstseinsstörungen, ist sofort der Notruf 112 zu verständigen.
Auch bei einem Nest in unmittelbarer Nähe zu Kindern, hilflosen Personen oder stark frequentierten öffentlichen Bereichen sollte die konkrete Gefährdung deutlich in der Meldung beschrieben werden. Die bloße Anwesenheit eines Nestes stellt jedoch nicht automatisch einen Notfall für Feuerwehr oder Rettungsdienst dar.